Trailer
Der Film
Jacob Kaplan (Héctor Noguera) ist 76 Jahre alt, lebt in Montevideo und hat noch immer keine Heldentat vollbracht. Wenig unterscheidet ihn von seinen alten Freunden in der jüdischen Gemeinde, die einen sonnenverwöhnten, aber schrecklich gewöhnlichen Lebensabend verbringen. Doch in Jacob grummelt der Ärger darüber, dass er sein Leben einfach so verstreichen ließ, ohne dass die Welt durch ihn eine bessere wurde. Hinzu kommt die leidige Sehschwäche, die Jacob unerbittlich daran erinnert, dass die Uhr tickt. Aber als in der Gemeinde das Gerücht kursiert, ein deutscher Nazi halte sich seit Jahren an der Küste Uruguays versteckt, klopft die Gelegenheit an. Jacob verpflichtet den chaotischen und chronisch abgebrannten Ex-Polizisten Wilson, mit ihm auf Nazijagd zu gehen. Gemeinsam entdecken sie vielsagende Spuren, die der Deutsche (Rolf Becker) über die Jahre beinahe erfolgreich verwischt hat, um ihn am Ende, so hofft Jacob Kaplan, den israelischen Behörden zu übergeben. Doch die internationale Operation, die die beiden anzetteln, ist gefährlicher als sie denken. Denn gerade als ihr ausgeklügelter Entführungsplan zwischen Tiefkühlfisch und Sinnsuche so richtig Fahrt aufnimmt, kommt der Deutsche ihnen auf die Schliche.

In glühend-warmen Farben erzählt die uruguayische Komödie SEÑOR KAPLAN von offenen Rechnungen mit der Geschichte und ungeraden Bilanzierungen im Alter. Mit der Leichtigkeit eines Strandausflugs erinnert der Film an eine allzu oft vergessene Vergangenheit und macht augenzwinkernd deutlich, dass auch ein Nilpferd-Narkotikum dem kollektivem Gedächtnis auf die Sprünge helfen kann.
Der Regisseur
Álvaro Brechner wurde 1976 in Montevideo geboren und wuchs in Uruguay auf. Er absolvierte 1998 sein Bachelor-Studium im Fach Kommunikationswissenschaften an der Universidad Católica del Uruguay. Von 1999 bis 2000 folgte ein Masterstudium im Fach Kreativer Dokumentarfilm an der Universidad Autónoma de Barcelona. Sein Langfilmdebüt MAL DÍA PARA PESCAR (2009) lief im offiziellen Wettbewerb der 48. Semaine de la Critique der Filmfestspiele von Cannes und wurde auf mehr als 60 internationalen Filmfestivals präsentiert, darunter in Montreal, Los Angeles Latino (Bester Debütfilm), Mar del Plata (Bester Schauspieler), Moskau, Shanghai, Pusan, Gijón (Beste Regie), Stockholm, Haifa, Istanbul und Havanna. In Uruguay lief der Film für 23 Wochen in den Kinos und wurde mit mehreren Premios Iris ausgezeichnet (Bester Film, Regisseur und Schauspieler) und von der Kritikervereinigung mit zehn Auszeichnungen prämiert. Auch in Spanien wurde MAL DÍA PARA PESCAR als Bester Film, für den Besten Schauspieler und für das Beste Drehbuch des Jahres nominiert. Zuvor führte er bei den Kurzfilmen THE NINE MILE WALK (2003), SOFÍA (2005) und SEGUNDO ANIVERSARIO (2007) Regie, die alle auf 35mm gedreht wurden und an mehr als 140 nationalen und internationalen Festivals teilnahmen, darunter Clermont-Ferrand, Los Angeles, London, Berlin, New York. Sie erhielten insgesamt mehr als 30 Auszeichnungen. Für den Dokumentarfilm ONE DOLLAR (2002), der bei der Documenta Madrid und Docupolis Barcelona im Programm lief und den Preis der Jury beim Festival von Havanna gewann, schrieb er das Drehbuch. 1999 erhielt Álvaro Brechner den Jahrespreis für Literatur (MEC) und 2009 den Morosoli in Silber. Zudem war er bei verschiedenen internationalen Filmfestivals Jurymitglied, einschließlich der 50. Ausgabe der Semaine de la Critique in Cannes und den Filmfestivals in Warschau, Sofia und Valencia. Darüber hinaus realisierte er zwischen 2000 und 2007 mehrere Dokumentationen, die bei Televisión Española, History Channel und Canal Odisea ausgestrahlt wurden. SEÑOR KAPLAN ist sein zweiter Langfilm und zugleich der erfolgreichste uruguayische Film des Jahres.
Regiekommentar
Altern ist für jeden schwierig. Doch besonders schmerzhaft ist es für Jacob Kaplan, der mit seinen 76 Jahren anfängt, sich gefährliche Fragen zu stellen:
 „Welchen Sinn hatte mein Leben?“ und „Habe ich der Welt dazu verholfen, zu einem besseren Ort zu werden?“. Als Kind glaubte Kaplan noch daran, dass ihn ein außergewöhnliches Schicksal erwarten würde – immerhin trägt er den Namen des biblischen Patriarchen Jakob. Doch heute fühlt er sich bedrängt von den intellektuellen und moralischen Erwartungen, die er und seine Familie zu erfüllen haben. Als Patriarch ohne Patriarchat, als ein Mitglied einer Gemeinschaft, die ihn die meiste Zeit übersieht und als Teil einer Familie, die kein Interesse an ihrem kulturellen Erbe zeigt. Als Jakob auch noch seinen Führerschein verliert, befürchtet er, dies sei ein Zeichen für den Anfang vom Ende. Aber dann kommt die Gelegenheit, seine letzte Chance, endlich in ein Abenteuer einzutauchen, das sein Leben vollständig verändern wird. Gemeinsam mit seinem Weggefährten Wilson Contreras begibt er sich auf eine epische Reise, die beide Männer auf ganz unterschiedliche Weise prägen wird.

Schon immer haben mich solche Figuren, die an „Don Quijote“ erinnern, besonders fasziniert. Mich beeindruckt ihre Sehnsucht nach epischen Abenteuern, die im krassen Widerspruch zu den absurdesten Umständen des Alltags stehen. Durch die Figuren im Film, die voller Widersprüche sind und Schwächen zeigen, möchte ich die Geschichte des Menschen erzählen, der im Angesicht seiner Todesangst steht, der befürchtet, seine eigene Identität zu verlieren und den tiefen Wunsch hegt, auf der Welt doch irgendwie Spuren von sich zu hinterlassen.

Álvaro Brechner
Cast & Crew

Héctor Noguera

als Jacob Kaplan

Héctor Noguera, geboren 1937 in Santiago de Chile, begann mit jungen Jahren seine Karriere als Schauspieler. Heute ist er einer der bedeutendsten Schauspieler in Lateinamerika und eine Schlüsselfigur der chilenischen Kulturszene. Außerdem ist er künstlerischer Leiter des Teatro Camino, Dekan der Philosophischen Fakultät an der Universidad Mayor, Mitglied der Akademie der Bildenden Künste des Instituto de Chile und Professor an der Universidad Católica de Chile. Als Schauspieler, Regisseur, Professor und Dramaturg hat er mehr als 120 Theaterpremieren zu verzeichnen und hat mit seinen Produktionen Lateinamerika, Europa und die USA bereist. Zu seinen Kinofilmen zählen u.a. DESIERTO SUR (Regie: Shawn Garry, 2008), EL REGALO (Regie: Cristián Galaz, 2008), FUGA (Regie: Pablo Larraín, 2006) und SUB TERRA (Regie: Marcelo Ferrari, 2003).

Filmografie (Auswahl)
2014 SEÑOR KAPLAN
2008 EL REGALO
2008 DESIERTO SUR
2006 FUGA
2003 SUB TERRA
2000 30 ANS
1992 ARCHIPIÉLAGO
1991 LA FRONTERA – AM ENDE DER WELT
1983 DIE WINDROSE

Néstor Guzzini

als Wilson Contreras

Néstor Guzzini wurde in Montevideo geboren und begann seine künstlerische Laufbahn mit 16 Jahren im Rahmen der Theatergruppe Antimurga BCG. Er zählt zu den angesehensten Schauspielern der uruguayischen Filmszene und hat in preisgekrönten Filmen wie NICHTS ALS REGEN (Regie: Leticia Jorge/Ana Guevara, 2013), 3 – TRES (Regie: Pablo Stoll, 2012), LA DEMORA (Regie: Rodrigo Plá, 2012), GIGANTE (Regie: Adrián Biniez, 2009) und ACNÉ (Regie: Federico Veiroj, 2008) mitgewirkt. 2014 spielte er neben SEÑOR KAPLAN auch in EL 5 DE TALLERES (Regie: Adrián Biniez), ZANAHORIA (Regie: Enrique Buchichio) und CLEVER (Regie: Federico Borgia/Guillermo Madeiro). Er wurde für seine Schauspielleistung auf dem Costa Rica International Film Festival, Mostra Cinema Latinoamerica de Catalunya, River Run International Film Festival und von der Kritikervereinigung von Uruguay ausgezeichnet.

Filmografie (Auswahl)
2014 SEÑOR KAPLAN
2014 ZANAHORIA
2014 EL 5 DE TALLERES
2013 NICHTS ALS REGEN
2012 3 – TRES
2012 LA DEMORA
2009 GIGANTE
2008 ACNÉ

Rolf Becker

als der Deutsche

Rolf Becker, im Jahr 1935 geboren, studierte an der renommierten Otto Falkenberg Schauspielschule in München und lebt heute in Hamburg. Er debütierte bei den Münchner Kammerspielen in „Die Affäre Dreyfus“. Seit den sechziger Jahren brilliert Rolf Becker in vielen Literatur- und Theaterverfilmungen und spielte in Filmen von Regisseuren wie Rolf Schübel, Edgar Reitz, Peter Zadek und Volker Schlöndorff. Zu Rolf Beckers Auftritten in Kinoproduktionen zählen Rollen in CARDILLAC (Regie: Edgar Reitz, 1969), ICH BIN EIN ELEFANT, MADAME (Regie: Peter Zadek, 1969) ICH LIEBE DICH, ICH TÖTE DICH (Regie: Uwe Brandner, 1971) und DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (Regie: Volker Schlöndorff, 1975). Bekanntheit erlangt er auch durch zahlreiche Auftritte in Fernsehfilmen und Serien wie „Tatort“, „Der Alte“ und „Derrick“. Seit 2006 spielt er den Rentner Otto Stein in der Ärzteserie „In aller Freundschaft“. Rolf Becker arbeitet außerdem häufig als Synchronsprecher und hat Ben Cross, Jeremy Irons und Jacques Perrin für deren große Rollen seine Stimme geliehen.

Filmografie (Auswahl)
2014 SEÑOR KAPLAN
2000 HEINRICH DER SÄGER
1998 EIN LIED VON LIEBE UND TOD – GLOOMY SUNDAY
1993 DER SHOWMASTER
1983 DAS WAGNIS DES ARNOLD JANSSEN
1975 DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM
1971 ICH LIEBE DICH, ICH TÖTE DICH
1969 ICH BIN EIN ELEFANT, MADAME
1969 CARDILLAC

Leonor Svarcas

als Estrella

Leonor Svarcas ist bekannt aus „Ponete Cómodo“, ein tägliches Fernsehformat auf TNU, dem staatlichen TV-Sender Uruguays. Seit 2010 moderiert sie zudem das uruguayische Fernseh-Magazin „Monte Carlo“. Sie wirkte bereits als Hauptdarstellerin im Film GIGANTE (Regie: Adrián Biniez, 2009) mit, der im Rahmen der Berlinale uraufgeführt und mit drei Preisen, u.a. mit dem Silbernen Bären, ausgezeichnet wurde. Leonor Svarcas wurde als Beste Schauspielerin im Jahr 2009 beim La Pedrera Kurzfilmfestival für TOTAL DISPONIBILIDAD (Regie: Adrián Biniez, 2008) prämiert. Als Hauptdarstellerin war sie zudem in CRUZ DEL SUR (Regie: David Sanz, 2012) zu sehen und wirkte u.a. in den Filmen EL CUARTO DE LEO (Regie: Enrique Buchichio, 2009) und NORBERO APENAS TARDE (Regie: Daniel Hendler, 2010) mit. Sie arbeitete außerdem als Darstellerin, Drehbuchautorin und Moderatorin der Sendung „Reporte Descomunal“ auf TV Ciudad. Sie hat bei etwa zwanzig unabhängigen Theaterproduktionen mitgewirkt und unterrichtet seit zwölf Jahren außerdem Schauspiel.

Filmografie (Auswahl)
2014 SEÑOR KAPLAN
2012 CRUZ DEL SUR
2010 NORBERO APENAS TARDE
2009 EL CUARTO DE LEO
2009 GIGANTE
2008 TOTAL DISPONIBILIDAD (Kurzfilm)
2006 8 HORAS (Kurzfilm)
2004 WHISKY

Nidia Telles

als Rebecca

Seit Jahrzehnten ist Nidia Telles eine der Schlüsselfiguren der uruguayischen Theaterszene und stand fast auf allen bekannten Bühnen Lateinamerikas. In den letzten Jahren ist sie mit verschiedenen Produktionen durch Spanien getourt. Für ihre Rollen in LA ÚLTIMA VELADA von Oscar Castro, DER KIRSCHGARTEN von Anton Tschechow und LOST IN YONKERS von Neil Simon wurde sie für ihre schauspielerischen Leistungen ausgezeichnet. Trotz ihrer langen Schauspielkarriere ist SEÑOR KAPLAN ihr Filmdebüt.

Gustavo Saffores

als Isaac

Seit Abschluss seines Studiums an der EMAD in Montevideo 2002 steht Gustavo Saffores regelmäßig auf den Bühnen Uruguays sowie im Ausland und hat an internationalen Theaterfestivals in Argentinien, Brasilien, Chile, Ecuador, Mexiko, Kolumbien, Bolivien, Frankreich und Spanien teilgenommen. Er wurde für viele Preise nominiert und erhielt unter anderem den Premio Florencio in 2005 und 2010, den renommierten Theater-Kritikerpreis. SEÑOR KAPLAN ist sein Debüt als Filmschauspieler.

Cast

Jacob Kaplan
Héctor Noguera
Wilson Contreras
Néstor Guzzini
Der Deutsche
Rolf Becker
Rebecca
Nidia Telles
Lottie
Nuria Fló
Estrella
Leonor Svarcas
Isaac
Gustavo Saffores

Crew

Buch & Regie
Álvaro Brechner
Regieassistenz
Sergio de León
Kamera
Álvaro Gutiérrez
Schnitt
Nacho Ruiz Capillas
Szenenbild
Gustavo Ramírez
Kostüm
Alejandra Rosasco
Ton
Fabián Oliver, Nacho Royo-Vilanova
Musik
Mikel Salas
Zusätzlicher Song
Serge Gainsbourg
Produktionsleitung
Verónica Andrich
Produzenten
Álvaro Brechner, Mariana Secco
Koproduzenten
Roman Paul, Gerhard Meixner
Produktion
Baobab Films, Salado, Razor Film, Expresso Films
Mit Unterstützung von
ICAA, ICAU, Torino Film Lab, Medienboard Berlin-Brandenburg, cinéfondation/l'atelier, Ibermedia, Visions Sud Est, FONA, Nipkow Programm, The Jerusalem Film Lab, Montevideo Socio Audiovisual, IMPO, FI, Sammel, Casa America Fundacíon Carolina
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